Disposition

Oberwerk (3. Manual)

5a  Tremulant
06  Holzgedackt  8'
07  Prinzipal  4'
08  Violflöte  4'
09  Spitzgedackt  4'
10  Prinzipal  2'
11  Sesquialtera 2fach 1 3/5'
12  Sifflöte  1'
13  Scharff 3fach
14  Musette  8'

Hauptwerk (2. Manual)

15  Rohrflöte  16'
16  Prinzipal  8'
17  Spielflöte  8'
18  Oktaven  4'
19  Rohrflöte  4'
20  Nassat 2 1/3'
21  Oktave  2'
22  Mixtur 4–6fach
23  Cornett 3–5fach ab f
24  Trompete   8'

Schwellwerk (1. Manual)

25  Tremulant
26  Koppelflöte  8'
27  Spitzgambe  8'
28  Prinzipal  4'
29  Flauto douce  4'
30  Quintflöte 2 2/3'
31  Nachthorn  2'
32  Terz 1 3/5'
33  Quinte  1 1/3'
34  Mixtur 5fach
35  Cor anglais  16'
36  Oboe  8'

Pedal

37  Prinzipal  16'
38  Subbaß  16'
39  Oktave  8'
40  Gedackt  8'
41  Hohlflöte  4'
42  Nachthorn  2'
43  Hintersatz 5fach
44  Posaune  16'
45  Fagott  8'
46  Klarine  4'

 

Die Schuke-Orgel

Ansicht der Schuke-Orgel in der Zwölf-Apostel-Kirche

Die Orgel in der Zwölf-Apostel-Kirche wurde 1968 von der Berliner Orgelbauwerkstatt Karl Schuke errichtet, 1993 generalgereinigt und erweitert.

 

Die Orgel hören

Triosonate Nr. 6 G-Dur BWV 530
1. Satz „Vivace“

Christoph Hagemann, Orgel
aufgenommen am 8. Februar 2009 durch Miguel-Pascal Schaar

 

Zur Geschichte der Orgel

Die Vorgänger-Orgel (Fa. Dinse)

Am Sonntag, dem 1.12.1968, war um 10 Uhr zu einem Festgottesdienst geladen: die Predigt hielt Superintendent Dr. Rieger. Der Anlass war die Einweihung der neuen Schuke-Orgel.

Bereits im April 1965 wurde ein Vertrag mit der Orgelbaufirma Schuke über den Bau einer neuen Orgel abgeschlossen, der Einbau sollte 1967 erfolgen. Nachdem Firma Schuke den Termin mehrmals verschieben musste, begann schließlich im Mai 1968 der Abriss der alten Orgel, die 1874 durch Fa. Dinse erbaut worden war. Die Gottesdienste feierte die Gemeinde, um den Einbau nicht zu stören, von Mai bis November 1968 im Großen Saal im 1966 gerade frisch eingeweihten Gemeindehaus. Die alte Orgel war – vermutlich bedingt durch einen Umbau 1908 – unzuverlässig geworden: „Jeder, der unseren Gottesdienst häufiger besucht hat, weiß ja, daß die jetzige Orgel ihre merkwürdigen Eigenheiten besaß. Manchmal spielte sie gar nicht und die Gemeinde wartete auf den Einsatz zum Singen vergebens. Nur der Pfarrer sah außerdem das verzweifelte Gesicht des Kirchenmusikers, der an seiner Orgel mit den Händen rang. Aber die Gemeinde wußte dann immer schon Bescheid und begann alleine zu singen. Manchmal aber auch fing die Orgel selbstständig an zu spielen, so etwa mitten in der Predigt; sie meinte manchmal, die Predigt mit einem Heulton untermalen zu müssen.“ (Gemeindeblatt Zwölf Apostel, Mai 1968) Diese Probleme waren sehr wahrscheinlich nicht irreparabel, ein Neubau entsprach aber eher dem Zeitgeist.

Der Neubau
Der erste Entwurf für den Neubau, noch mit Brustwerk statt Oberwerk

Ursprünglich war geplant, das Gehäuse der alten Orgel, das mit dem sonstigen Interieur der Zwölf-Apostel-Kirche korrespondierte, zu erhalten und um ein Rückpositiv zu erweitern. Da aber auch die Orgelempore umgebaut werden sollte, um mehr Platz für den Chor zu schaffen, entschied man sich schließlich für einen Neubau des Gehäuses. Die Disposition der neuen Orgel orientiert sich an der der 1964 erbauten Kleucker-Orgel in der Lutherkirche am Dennewitzplatz, die wiederum die Orgel der im II. Weltkrieg zerstörten Franziskaner-Klosterkirche in Mitte zum Vorbild hat. Diese 1936 von Fa. Sauer (Frankfurt/Oder) erbaute Orgel – sie wurde keine zehn Jahre alt – war eine der ersten in Berlin, die sich konsequent an der norddeutschen Orgelbautradition des Frühbarock orientierte und war damit Wegbereiter und Vorbild der Orgelbewegung in Berlin.

Zu ihrer Einweihung am 1. Advent 1968 war die neue Orgel noch nicht ganz fertig. Die Arbeiten wurden nach der Einweihung weitergeführt und am 20. Dezember 1968 konnte dann die Abnahmeprüfung stattfinden und die Orgel mit einer „kirchenmusikalischen Woche“ vom 8. bis 12. Februar 1969 der Gemeinde ausführlich vorgestellt werden.

Auch eine Orgel wird mit der Zeit älter, und so war im Zuge der Kirchensanierung von 1991 bis 1993 auch die Orgel „dran“. Für reichlich 113.000 DM wurde sie komplett auseinandergebaut und gereinigt, der Spieltisch wurde modernisiert und sie erhielt sie ein neues Register.

Christoph Hagemann
Quellen: Gemeindeblatt „Zwölf Apostel“ 1965-1969 sowie „500 Jahre Orgeln in Berliner Evangelischen Kirchen“ hrsg. Von Berthold Schwarz, Berlin 1991